Freitag, 2. Mai 2014

[Rezension] Matt Haig - Ich und die Menschen




In einer regnerischen Freitagnacht wird Andrew Martin, Professor für Mathematik in Cambridge, aufgegriffen, als er nackt eine Autobahn entlangwandert. Professor Martin ist nicht mehr er selbst. Ein Wesen mit überlegener Intelligenz und von einem weit entfernten Stern hat von ihm Besitz ergriffen. Dieser neue Andrew ist nicht begeistert von seiner neuen Existenz. Er hat eine denkbar negative Meinung von den Menschen. Jeder weiß schließlich, dass sie zu Egoismus, übermäßigem Ehrgeiz und Gewalttätigkeit neigen. Doch andererseits: Kann eine Lebensform, die Dinge wie Weißwein und Erdnussbutter erfunden hat, wirklich grundschlecht und böse sein? Und was sind das für seltsame Gefühle, die ihn überkommen, wenn er Debussy hört oder Isobel, der Frau des Professors, in die Augen blickt? (dtv.de)


Die Menschheit ist endlich soweit. Mit dem Beweis der Riemannschen Vermutung, das wichtigste ungelöste Problem der Mathematik, die der Professor Andrew Martin endlich entdeckt hat, können sie sich weiterentwickeln und somit die Welt verändern. Möglich wäre dann zum Beispiel die Synchronisierung der Gehirne, die Erfindung freidenkender Computer, intergalaktisches Reisen, Teleportation und vieles mehr. Doch so weit wollen es die Außerirdischen nicht kommen lassen: Die Spezies "Mensch" ist abgrundtief feindselig und darf nicht mit den bevorstehenden Erfindungen das Weltall erkunden. Sie würden töten, zerstören und beherrschen! Um das Problem zulösen, lassen die Außerirdischen einen Agenten auf die Erde los, der sich in Andrew Martins Körper einnistet, um jegliche Beweise zu vernichten und die Revolution der Menschen zu verhindern.

Mein erster Gedanke nach dem Lesen des Klappentextes war: "Wie verrückt ist das denn?!" Ich hatte tausend Ideen im Kopf, wie die brillante Story umgesetzt werden kann, aber ich habe alles auf mich zukommen lassen und es fängt sehr außergewöhnlich an. Das Alien spricht im Vorwort die Menschen an: "Hallo, Mensch. Wie geht es dir? Du siehst gut aus. Ja, wirklich, trotz der Nase." (Seite 9) und erzählt ein bisschen über dieses Buch, ein Buch, das davon handelt, wie man ein Mensch wird. Im zweiten Vorwort spricht er seine eigene Spezies an: die Vonnadorianer. *grusel Musik*

In meinen vielen Lesejahren konnte mich kein Buch so schnell fesseln und berühren! Und das waren nur die Vorworte! Folglich findet sich das Alien in Andrew Martins Körper wieder und muss sich zuerst mit der Motorik zurechtfinden. Er entdeckt unsere quadratischen Gebäude, Straßen, das Wetter, Tiere, die hässlichen Menschen mit der Nase und teilt uns Leser mit wie er unseren Planet findet: SCHRECKLICH!:D Aus seiner Sichtweise einen ersten Eindruck unserer Erde zu zeigen, der Schmutz überall, die Bedeutung der Zeit, Nahrung und Kleidung für die Menschen ist ungeheuer interessant, denn wir selber denken darüber nicht viel nach! Die Erde sei ein Planet der Verpackten Dinge und ein Ort des Todes. Mit diesen Beurteilungen des Aliens musste ich erst schlucken...Er hat überhaupt nichts positives gefunden, ist mit seinen Vorurteilen: wir seien eine Spezies von mittelmäßiger Intelligenz, seltsam, aggressiv, egoistisch, machtgeil, hätten eine verstörende körperliche Gestalt, auf die Erde gereist und bleibt seinen Vorurteilen stets treu. 

Der Einstieg des Buches ist gespickt mit viel Humor. Der Außerirdische bekommt alles in den falschen Hals, Sprichwörter kennt er ja nicht:D Warum er eigentlich Kleidung tragen sollte, versteht er ebenso wenig:O Er ist sowas von aufgeschmissen, verwirrt und erschlagen von so viel schlechter Logik. Ich habe mich gekrümmt vor Lachen! Zwischendurch berichtet er seiner Spezies in Form eines Chats über die Umgebung und das Verhalten der Menschen, wobei er ständig über uns ablästert:D Ich meine, so schlecht sind wir nun auch nicht!? Und genau das, die guten Seiten der Menschen, die positiven Gefühle und Eigenschaften wie Liebe, Freundschaft, Hilfsbereitschaft entdeckt er nach und nach in Andrew Martins eigener Familie, unter der er ja als mit Andrew Martins Körper leben muss um nicht aufzufallen. Er lernt zu fühlen und sogar zu lieben! Die Menschheit ist nicht so schlimm, wie er zuerst gedacht hat, sondern nur ein winziger Teil. Wir sind friedlich, liebevoll, anständig und er merkt, dass wir selber keinen Krieg führen wollen. Unser Wunsch ist Frieden.

Nachdem er sich einigermaßen eingelebt und die Familie von Andrew Martins kennengelernt hat, widmet er sich schließlich der Beweisvernichtung. Er muss jede einzelne Spur des Beweis verwischen, auch wenn er gewalttätig werden muss! Es wird finster, spannend, mörderisch! Und die Arbeitgeber sitzen ihm gefährlich im Nacken. 

Ja, wenn alles so toll ist, warum gibst du dann keine 5 Sterne? Tja, ab und zu hat es mich an den Mathematikunterricht erinnert, denn oft wird über Primzahlen und anderen mathematischen Gleichungen berichtet, von denen ich keinen Kopf für habe. Liebe Grüße an meine Mathelehrer, ich habe mich wirklich dumm gefühlt:D 

Der Schreibstil von Matt Haig ist sehr ungewöhnlich. Mit ca. 4 Seiten sind die Kapitel sehr kurz. Das Buch ist komplett aus der Sicht des Aliens geschrieben, der unseren Planeten und deren Spezies erforscht. Dann gibt es noch die Chats mit den Auftraggebern, die dem Alien die Anweisungen geben und im Laufe des Buches eine sehr wichtige Rolle spielen. Der Leser bzw. der Mensch wird permanent von dem Alien angesprochen, dies führt auch dazu, dass eine Beziehung aufgebaut wird. Bitte was? Ein Alien als Freund? Pffff...warum denn nicht?:) In den letzten Seiten gibt uns der Außerirdische 97 Ratschläge für einen Menschen, die mich wieder zum Nachdenken gebracht haben. 

Ein Buch über den Sinn des Lebens der Menschen. Ein Reiseführer, No Goes und Überlebenstipps für das Leben auf der Erde. Ein Buch zum Nachdenken. Ein Buch, das das ganze Universum beherbergt. 
Ein Buch über die Menschen, über mich und dich!





Danke an den dtv premium Verlag und an lovelybooks für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!