Sonntag, 6. Mai 2018

|Rezension| Andy Weir - Artemis

Andy Weir | Heyne | Paperback | 15,00€ | 432 Seiten | 05.03.2018 | ISBN: 978-3-453-27167-8 | kaufen

- Ich lebe in Artemis, der ersten und bislang einzigen Siedlung auf dem Mond.
Sie besteht aus fünf riesigen Kuppeln, die wir "Blasen" nennen. - S.14


Jazz Bashara ist kriminell. Zumindest ein bisschen. Schließlich ist das Leben in Artemis, der ersten und einzigen Stadt auf dem Mond, verdammt teuer. Und verdammt ungemütlich, wenn man kein Millionär ist. Also tut Jazz, was getan werden muss: Sie schmuggelt Zigaretten und andere auf dem Mond verbotene Luxusgüter für ihre reiche Kundschaft. Als sich ihr eines Tages die Chance auf einen ebenso lukrativen wie illegalen Auftrag bietet, greift Jazz zu. Doch die Sache geht schief, und plötzlich steckt Jazz mitten drin in einer tödlichen Verschwörung, in der nichts Geringeres auf dem Spiel steht, als das Schicksal von Artemis selbst... - (Heyne)

Ich bin ein großer Fan des Filmes "Der Marsianer", der auf die Romanvorlage von Andy Weir basiert. Als "Artemis" erschienen ist, habe ich nicht lange gezögert: Ich muss mir diesen Roman zulegen! Eine Stadt auf dem Mond? Zweitausend Bewohner unter einer Kuppel? Ich war für die Geschichte um Jazz sofort Feuer und Flamme, aber leider hat es sich eher als Flop herausgestellt.

Wir lernen Jazz Bashara kennen, eine junge Frau, die seit dem vierten Lebensjahr in Artemis wohnt - die erste Stadt auf dem Mond. Jazz ist unzufrieden: Sie hat sich mit ihrem Vater zerstritten; lebt wie ein Schlucker in einer winzigen Koje ohne jeglichen Komfort; in der Liebe fällt sie auch immer wieder auf die Nase; sie rasselt ständig durch ihre Prüfungen zur Fremdenführerin, die den reichen Touristen sehr rentable Touren außerhalb der Stadt anbieten und muss sich ihr Einkommen stattdessen als Trägerin sichern. Doch Jazz ist nicht Jazz, wenn sie keine raffinierten Pläne in petto hätte. Die junge Frau mit dem rotzigen Mundwerk schmuggelt allerlei verbotene Gegenstände in die Stadt und zielt darauf ab, ein wohlhabendes und angenehmes Leben in der Mondstadt zu führen. Als einer ihrer reichen Stammkunden ein illegales Geschäft anbietet, mit dem sie ruckzuck an ihre Wunschsumme gelangen könnte, schlägt Jazz sofort ein! Sie soll eine für Artemis notwendige Firma sabotieren, damit ihr Auftraggeber das lukrative Geschäft übernehmen kann. Der Plan verläuft überhaupt nicht wie erwartet und wie schon im Klappentext erwähnt, hängt nicht nur Jazz' Leben auf dem Spiel, sondern auch das Schicksal von ganz Artemis...

Die ersten Kapitel haben mich völlig eingenommen. Jazz streift durch die Stadt und erzählt dem Leser, wie die Menschen auf dem Mond leben und sich an die Umgebung angepasst haben. Das Problem mit der Schwerkraft, dem Sauerstoff und der Nahrung: Für alles gibt es eine Lösung. Ich habe die erste Hälfte des Romans förmlich aufgesogen, so faszinierend finde ich die verschiedenen Umstellungen, um in Artemis leben zu können. Jazz und ihre Freunde sind allesamt sehr intelligent und handwerklich begabt, sodass sie sich auch fachlich ausdrücken können. Irgendwann bin ich persönlich aber an einem Punkt angekommen, an dem mir die Geschichte zu sachlich wurde. Komplexe Maschinen und technische Prozesse werden erklärt - die Handlung kommt einfach nicht ins Rollen. Das lose Mundwerk von Jazz konnte dafür die ein und andere Situation wieder auflockern.

Die Charaktere in "Artemis" sind insgesamt humorvoll gestaltet. Jazz, eigentlich eine gestandene junge Frau in den besten Jahren, ist in Artemis auf sich allein gestellt und erinnert mich eher an ein pubertierendes Teenagermädchen mit einem beindruckenden Repertoire an Schimpfwörtern. Ihr Dickkopf ist sogar für meine Verhältnisse rekordverdächtig. Ihre Ecken und Kanten machen sie aber auch wiederum sehr authentisch und sympathisch. Jazz ist toll! Auch ihre Freunde und Bekannte sind spritzige Charaktere, die den Roman richtig aufmischen. Zwischendurch gibt es den ein oder anderen "schlechteren Witz", aber insgesamt habe ich ständig über die Charaktere geschmunzelt

Ich bin zwiegespalten, wenn es um den Schreibstil von Andy Weir geht. Auf der einen Seite hat er humorvolle Charaktere entwickelt und eine äußerst interessantes Setting erschaffen, das mich am meisten begeistert konnte; aber wenn es um wissenschaftliche und technische Beschreibungen geht, dann verliere ich beim Lesen die Konzentration und nach kurzer Zeit fallen die Augen zu. Ich habe im letzten Drittel Seiten übersprungen, weil es mir oft zu langatmig wurde. Zum anderen hat mir die Balance zwischen Spaß und Ernsthaftigkeit nicht gefallen. Jazz befindet sich in einer sehr ersten und gefährlichen Situation - ihr Leben steht auf dem Spiel. Die Handlung verliert meiner Meinung nach einfach an Spannung und Reiz, wenn ein humorvollen Unterton herrscht.

Ich vergebe "Artemis" 3 von 5 Herzen. In "Artemis" erleben wir mit der frechen und aufmüpfigen Hauptprotagonistin und ihren unterhaltsamen Freunden einen faszinierenden Ausflug in der ersten Stadt auf dem Mond. Der neue Science-Fiction-"Thriller" von Andy Weir punktet vor allem mit den humorvollen Charakteren und dem interessanten Setting. Es sollte ein spannender und gefährlicher Auftrag mit verheerenden Auswirkungen werden, aber für mich hat sich die Geschichte um die dickköpfige Jazz durch zahlreiche wissenschaftliche Details zu sehr in die Länge gezogen. Es gibt zwar viele Anlässe zum Lachen; die Handlung kommt jedoch nur langsam ins Rollen und Spannung hat sich bei mir nur selten aufgebaut! Mich konnte "Artemis" leider nicht fesseln und mitreißen.

Story ♥♥/5
Charaktere ♥♥/5 
Gefühle ♥,/5
Spannung ♥♥/5
Schreibstil ♥♥/5 
Ende ♥♥/5

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar Random House und Heyne.
Rezensionsexemplare beeinflussen nicht meine subjektive Meinung.