Donnerstag, 13. Juni 2019

|Rezension| Sandra Grauer - Clans Of London 1 - Hexentochter

Sandra Grauer | Ravensburger | Hardcover | 16,99€ | 416 Seiten | 15.05.2019 | ISBN: 978-3-473-40180-2

- „Das ist nicht lustig“, sagte der Alte barsch. 
„Sie muss weg, bevor die anderen Clans von ihrer Existenz erfahren. 
Falls es nicht schon zu spät ist.“ - S. 60


Eine uralte Prophezeiung. Ein gefährlich charmanter Magier. Und eine Stadt voller verfeindeter Hexenclans … Als Caroline den geheimnisvollen Ash kennenlernt, ahnt sie nicht, dass ihr Leben schon bald in seinen Händen liegen wird. Denn Ash ist ein Magier und Caroline eine Hexe. Eine Hexe, deren Magie nie aktiviert wurde – und das wird sie an ihrem 18. Geburtstag das Leben kosten. Während Caroline und Ash alles daransetzen, dieses Schicksal durch ein magisches Ritual abzuwenden, kommen sie sich immer näher. Doch dann erfährt Caroline, dass die beiden mächtigsten Hexenclans von London Jagd auf sie machen. Denn Caroline ist Teil einer uralten Prophezeiung. Und sollte diese sich erfüllen, sind die Hexenclans dem Untergang geweiht …  (Ravensburger)


In „Clans Of London – Hexentochter“ erwartet dich eine magische Welt, die seit Jahrhunderten vor den Augen der Menschen verborgen gehalten wird. Wir begleiten die 17-jährige Protagonistin Caroline dabei, wie sie mit ihrer besten Freundin Megan feiern geht und auf zwei attraktive junge Männer Henri und Ash trifft, die beide starkes Interesse an den Frauen zeigen. Doch Caroline ist nicht zum Feiern zumute: Sie hat starke Kopfschmerzen, die unerträglich werden. Bei Henri und Ash klingeln sofort die Alarmglocken! Sie entpuppen sich als Magier, kennen die Symptome einer Junghexe und somit wird Caroline unverhofft sowie wider Willen in die fremde und groteske Gesellschaft der Magier, Zauberer und Hexen eingeschleust. Gestern noch arbeitete Caroline Vollzeit als Kellnerin, um ihren Traum Pilotin finanzieren zu können – jetzt muss die 17-Jährige feststellen, dass sie von Hexen abstammt. Noch überraschender ist die Tatsache, dass ihre magischen Fähigkeiten nicht von den Eltern wie üblich „aktiviert“ worden sind und Caroline sich jetzt in Lebensgefahr befindet: Sie wurde als kleines Kind adoptiert und hat keinerlei Anhaltspunkte, wer ihre Eltern sein könnten. Ihre Welt wird von heute auf morgen komplett auf den Kopf gestellt und ihr 18. Geburtstag – der Tag, an dem ihre Kräfte unkontrolliert und tödlich freigesetzt werden – rückt immer näher…

Das Chaos muss Caroline zum Glück nicht allein bewältigen. Die beiden Magier Henri und Ash, unterstützen sie tatkräftig dabei! Dabei führen sie Caroline und den Leser zunächst in die Gesellschaft der Hexen ein, was sehr interessant und faszinierend ist. Was ist ein Hexenzirkel, welche gibt es in London? Welche Fähigkeiten gibt es? Warum sind die Hexenzirkel verfeindet? Welche Mythen und Sagen gibt es rund um die Hexenzirkel in London? Die informative Einführung in die Welt der Hexen hat mir sehr gut gefallen, vor allem die Beschreibung des atmosphärischen Londons. Außerdem lernen wir dadurch Caroline besser kennen, die anfangs genauso unwissend wie der Leser ist. Die Suche nach Antworten bezüglich der Eltern von Caroline wird im Verlauf der Geschichte abenteuerlich und düster. Eine Hexengeschichte ohne eine kryptische Prophezeiung? – Natürlich nicht! Caroline scheint ein Teil einer uralten Prophezeiung zu sein. Auf dem Weg dahin, diese zu lüften, erfahren wir allerlei interessante und spannende Dinge in London! Wer ein Fan von Intrigen und Geheimnissen ist, wird hier voll auf seine Kosten kommen!
- Doch ich konnte ihn nur anstarren.
Warum war das Glas auf einmal umgekippt, im selben Moment, als ich es mir gewünscht hatte? - S. 46

Leider konnte mich die Liebesgeschichte aufgrund der Klischees und Carolines hitzigen Einstellung nicht überzeugen und wurde eher zu einem nervigen Aspekt der Geschichte. Besonders bei Ash bestätigen sich viele Klischees: ein blonder und unglaublich attraktiver Frauenheld; der nicht zu vergessene Waschbrettbauch und jegliche draufgängerische Flirtattacken. Zu Anfang der Geschichte deutet sich eine Dreiecksbeziehung zwischen Caroline und Henri/Ash an, wobei ihre beste Freundin Megan auch in dieser Konstellation verstrickt ist. Alles schön und gut, wenn Caroline nicht ständig ihre Entscheidung hinsichtlich ihres Favoriten bereuen würde, eifersüchtig auf anderen weiblichen Figuren wäre und das Verhalten der beiden jungen Männer vergleichen würde. Zudem kann man dann auch nicht urplötzlich von Liebe sprechen! Das Hin und Her der Liebesgeschichte ist allein deshalb schon nicht nachvollziehbar, weil Caroline sich in einer brisanten Situation befindet: Ihr Leben ist in akuter Gefahr! Und anstatt Zeit als kostbarstes Gut zu sehen, vergnügt sie sich lieber mit Waschbrettbäuchen und grübelt über Liebeleien nach. Nicht sehr authentisch. Schwer nachvollziehbar. Unsympathisch. Dieser Aspekt hat mich leider enttäuscht.

- Die Wassertropfen auf seiner leicht gebräunten Haut, die definierten Muskeln… 
Ash brauchte sich weiß Gott nicht zu verstecken, er konnte es locker mit jedem Unterwäschemodel aufnehmen. - S. 299

Insgesamt lösen die Charaktere bei mir ein zwiegespaltenes Gefühl aus. Auf der einen Seite finde ich die Persönlichkeiten von Henri und Ash äußerst interessant. Sie spiegeln zwei Hexenzirkel in London wider und haben einen unterschiedlichen Charakter: Henri ist eher sensibel, freundlich und mysteriös; Ash ist selbstbewusst, draufgängerisch und kämpferisch. Natürlich ist es dann verständlich, dass ein Konkurrenzveralten vorherrscht. Diese Szenen haben mir persönlich gut gefallen und sie waren vor allem äußerst amüsant! Caroline hingegen ist mein Dorn im Auge. Sie fokussiert sich nicht auf das Wesentliche im Roman, handelt unüberlegt und reagiert ganz oft flatterhaft und launisch. Sie bekommt Hilfe – ist undankbar. Sie kommen mit ihrer Suche nach den Eltern nicht voran – sie wird zickig, bockig und stänkert herum. Caroline und ich konnten leider keine Freunde werden, aber dennoch hat es mich unterhalten, sie auf dem chaotischen Weg zu begleiten. Außerdem erhoffe ich mir, dass sie eventuell eine positive Charakterentwicklung im zweiten Band vollziehen wird.

- Henris offensichtliche Eifersucht ließ auch Ash unvernünftig reagieren.
Die beiden verhielten sich wie zwei Kampfhähne, und ich stand buchstäblich dazwischen. - S. 273

Der Schreibstil von Sandra Grauer ist unkompliziert, flüssig und angenehm zu lesen. Ihre Aspekte über Hexen und Mythen baut sie interessant in die Geschichte und vor allem Kapitel für Kapitel ein, sodass ich als Leser immer weiterlesen wollte, um neue hilfreiche Informationen zu erlangen. Die Geschichte wird grundsätzlich aus der Sicht von Caroline erzählt (Ich-Perspektive), wobei sie mysteriöse Träume hat, in denen wir die Machtspiele der Hexenzirkel als heimlicher Beobachter mitbekommen. Dadurch gibt es noch mehr Stellen im Buch, die spannend und düster und geheimnisvoll sind.

„Clans Of London 1 – Hexentochter“ erhält von mir 3,5 von fünf Herzen. „Hexentochter“ ist ein interessanter Auftakt einer Dilogie mit einem faszinierenden Setting, vielen magischen und paranormalen Elementen (Voodoo, Mythen, Prophezeiungen) sowie einem flüssigen und unkomplizierten Schreibstil. Leider hat mich die Einstellung und das Verhalten der weiblichen Protagonistin sehr oft gestört, wodurch die Liebesgeschichte nicht greifbar und authentisch wurde: Klischees und Waschbrettbäuche. Dennoch möchte ich unbedingt wissen, wie es mit Henri, Ash, Caroline und Megan weitergeht und setze die Urban Fantasy Geschichte auf jeden Fall fort!

Story ♥,/5
Charaktere /5 
Gefühle /5
Spannung ♥./5
Schreibstil ♥./5 
Ende ♥,/5

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Vielen Dank für das Rezensionsexemplar Ravensburger.
Rezensionsexemplare beeinflussen nicht meine subjektive Meinung.
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